Facharbeiten für die schulische Öffentlichkeit nutzen – Was macht man mit dem neuen Wissen?

Praxisbericht von Anja Eckstein

Scharnhorstgymnasium Hildesheim, Jahrgang 12

Die Ausgangslage

„Journalismus macht Schule“ – langsam, aber stetig und das ist gut so. Während in der Vergangenheit im Deutschunterricht des 8. Jahrgangs über journalistische Darstellungsformen gesprochen wurde und die Jugendlichen sich zumindest theoretisch einmal ausprobieren sollten, steht nun die aktive Umsetzung stärker im Fokus. Im Englischabitur verfassen Schülerinnen und Schüler Blogbeiträge, in Deutsch schreiben sie einen Kommentar. Den meisten fehlen jedoch nach wie vor reale „journalistische“ Erlebnisse.
Dies war unter anderem der Anlass, im 12. Jahrgang ein Seminarfach zu etablieren, in welchem sich seit nunmehr einem Jahr 21 Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Themen des journalistischen Arbeitens befassen. Dabei soll es sowohl um aktuelle Entwicklungen in der Berichterstattung gehen, wie zum Beispiel die Zunahme der Internetpräsenz oder das Problem der Fake News, als auch um den Erwerb von Grundfertigkeiten journalistischen Arbeitens. Um Letzterem die notwendige Öffentlichkeit zu bieten, übernahmen die Schülerinnen und Schüler die Zuständigkeit für unseren Schülerblog „SchulHofGefluester“. Dort werden mehr oder weniger regelmäßig Beiträge zu verschiedenen Themen veröffentlicht.

Die Facharbeit

Wie in jedem Seminarfach stand auch für diese Gruppe das Verfassen einer wissenschaftlichen Hausarbeit im zweiten Semester an. Um sich noch tiefer in das Themenfeld „Journalismus“ einzuarbeiten, stand dieser auch im Zentrum der verpflichtend zu erstellenden Facharbeiten im zweiten Halbjahr des 12. Schuljahres. Die Schülerinnen und Schülern hatten sehr schnell viele Ideen und zeigten großes Interesse an einer differenzierteren Betrachtung journalistischer Aufgaben. Die Spannweite reichte von der Frage, wie es um die Printausgabe der lokalen Tageszeitung steht und welchen Einfluss dabei die Digitalisierung hat bis zu kritischen Betrachtungen der Pressefreiheit in der Türkei, in Nordkorea oder auch China. Andere entschieden sich, der Frage nachzugehen, wie Fake News unser Leben beeinflussen und wie zuverlässig Journalistinnen und Journalisten heutzutage noch arbeiten (können), da sie ständig unter einem gewissen Erwartungs- und Zeitdruck stehen.
Ihre Erkenntnisse konnten die Jugendlichen bereits im Rahmen einer Online-Gesprächsrunde mit Jürgen Rink von c’t im Rahmen des Projekts „Journalismus macht Schule“ einbringen. Man erkannte sehr schnell, mit welcher Begeisterung die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in die Themen eingetaucht war und mit vielen neuen und spannenden Erkenntnissen aus dem ‚Prozess‘ Facharbeit wieder herauskam.

Das Redaktionsteam „SchulHofGefluester“, Foto: Anja Eckstein
Christian Harborth, Redakteur der Hildesheimer Zeitung, zu Besuch bei der Redaktion, Foto: Anja Eckstein

Themen der Facharbeiten waren zum Beispiel 

  • Die Bedeutung von Medienkompetenz für Jugendliche
  • Die Präsenz von Wissenschaft und Forschung in den Medien
  • Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei
  • Die veränderte Bedeutung von Tageszeitungen (am Beispiel der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung)
  • Medien in der Welt des Sports
  • Seriosität im Journalismus

Von einigen Ergebnisse waren die Schülerinnen und Schüler selbst überrascht, da ein vertieftes Nachdenken über journalistisches Arbeiten und die damit einhergehenden Herausforderungen in dieser Form bisher nicht zu ihren Interessengebieten gehörte. Auch der Austausch im Seminarfach hätte die Themenvielfalt der Arbeiten nie abdecken können.

Der neue Weg

Die neuen Erkenntnisse sollten nach Abschluss der Facharbeiten nicht in einem Archivordner in der Schulbibliothek verschwinden, wie das allzu oft geschieht. Das erschien einfach nicht richtig nach sechs Wochen intensiver Arbeit. Daher wurde entschieden, das neue Wissen für die Schülergemeinschaft der Schule in verschiedenen Projektbeiträgen umzusetzen, die auf dem Schülerblog schrittweise veröffentlicht werden sollten.
Die Schülerinnen und Schüler mussten sich für die Veröffentlichung der Ergebnisse ihrer Facharbeit noch einmal intensiv mit ihrem Thema beschäftigen. Zum einen galt es, das erworbene, umfangreiche Wissen quantitativ zu reduzieren, denn in der Regel umfassten die Arbeiten zwischen zehn bis 15 Inhaltsseiten. Zum anderen mussten die inhaltlichen Schwerpunkte überdacht werden, da die Leserschaft nun nicht mehr die Fachlehrkraft sein würde, sondern hauptsächlich Schülerinnen und Schüler mit einer Altersspanne von elf bis 18 Jahren. Dies stellte sich für viele Schülerinnen und Schüler als eine besondere Herausforderung dar. Ergänzend dazu wollten einige nicht schreiben, sondern sich im Bereich Video oder Podcast ausprobieren.
Am Ende führte der Versuch, mit dem Wissen aus den Facharbeiten neue Wege zu gehen, tatsächlich dazu, dass eine Mehrheit der Jugendlichen mit Eifer und Spaß an die Umsetzung ihrer Ideen ging, um die Schulgemeinschaft vielseitig über das Thema „Journalismus“ zu informieren.

Die Ergebnisse

Die anfängliche Begeisterung für crossmediale Projekte fand bei einzelnen Schülerinnen und Schülern im Kontext ihrer täglichen schulischen Belastung durch Hausaufgaben, Pflichtthemen und Klausuren leider schnell ein Ende. Die Realität hielt Einzug und man entschied sich, doch beim schriftlichen Beitrag zu bleiben. Hier zeigte sich für alle, dass „mal ein Video dazu machen“ seine Zeit braucht – vor allem, wenn man seine eigenen Ansprüche an die Qualität nicht zu sehr zurückschrauben möchte.
Die Spannbreite der schriftlichen Beiträge reichte am Ende von dem Versuch einer Glosse bis hin zum Kommentar. Andere Schülerinnen und Schüler der Gruppe blieben jedoch am Ball, planten, nahmen auf und schnitten zusammen, um abschließend ein Erklärvideo zur Rolle seriöser Berichterstattung, ein Podcast zur Pressefreiheit in der Türkei und in China oder auch eine Bildergeschichte zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von „Kriegsreportern“ entstehen zu lassen. Diese werden nun schrittweise der schulischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine Evaluation, wie diese Angebote in der Schulgemeinschaft aufgenommen werden, wird dann im neuen Schuljahr im Seminarfach stattfinden.

Hier geht es zum Schülerblog „SchulHofGeflüster“ des Scharnhorstgymnasiums Hildesheim.


Zur Person: 
Anja Eckstein unterrichtet am Scharnhorstgymnasium in Hildesheim. Sie ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihrer Schule verantwortlich. Darüber hinaus baut sie einen Schülerblog an ihrer Schule neu auf.

 

Kontakt

Letzte Änderung: 17.10.2021

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